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Beten für Verstorbene?
Hilft das Gebet sowie die Meßfeier den Verstorbenen, schneller in den Himmel zu kommen, oder ist es nur ein Gedenken an unsere Toten?
Verstorbenen durch Gebet und Meßfeier schneller in den Himmel verhelfen zu wollen, ist ein abwegiger Gedanke, weil Gott allein darüber entscheidet, wann und wie ein Mensch gerettet wird. Nicht wir Menschen bewirken das ewige Leben, sondern allein Gott rettet aus dem Tod und schenkt seinen Kindern ewiges Leben.
Darin "nur ein Gedenken" zu sehen, wenn wir für die Toten beten, scheint andererseits ungenügend. Wir denken zwar an die Toten, wenn wir für sie beten, aber wir können bei vielen Gelegenheiten an sie denken, ohne für sie zu beten. Das Gebet ist ein bewußtes Gedenken vor Gott. Im Gebet, vor Gott also, die Namen von Menschen zu nennen, erinnert Gott gleichsam an sein Versprechen, das der Prophet Jesaja (43,1) in die Worte
faßt: "Ich habe dich beim Namen gerufen, du gehörst mir."
Wir glauben: Gott ist ein Gott der Menschen, der keines seiner Kinder
vergißt; er ist ein Gott der Lebenden, der jeden zum Leben ruft. Diesen Glauben drücken wir aus, wenn wir für die Toten beten. Das Gebet bezeugt Gott unseren Glauben und macht uns selbst unseren Glauben neu
bewußt.
Wenn wir für die Toten beten, zeigen wir auch unsere Solidarität mit ihnen. Wir lassen die nicht allein, die zu unserem Leben gehörten und weiter zu uns gehören. "Hinter dem Menschen, der im Tod Gott begegnet, steht das fürbittende Gebet der Kirche, das ihn hält, wo er sich selbst keinen Halt zu geben vermag" (Gisbert
Greshake).
In der heiligen Messe, der Feier des Todes und der Auferstehung Jesu Christi, für die Verstorbenen zu beten, hat eine besondere Bedeutung. Die heilige Messe ist immer die Feier der Gemeinde, immer wird für die Lebenden und die Verstorbenen gebetet. Wir feiern die Messe miteinander und füreinander; die soziale Dimension schließt die Lebenden und die Verstorbenen ein. Eucharistie feiern wir, Danksagung. Wir danken Gott für das Leben, den Tod und die Auferstehung unseres Herrn, und wir danken ihm für unseren Glauben und unsere Hoffnung, daß er unsere Toten zum Leben ruft und sie in ihm leben.
(Mit freundlicher Genehmigung der katholischen Bistumszeitungen übernommen. Autor: Horst Krahl) |