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Was ist wenn ein Christ
mit Menschen anderer Religionen beten will?
Ein Gesetz, das Katholiken das gemeinsame Beten mit Nichtchristen verbietet, gibt
es im römischen Gesetzbuch nicht. Das belegt das allein schon das für weltweites
Aufsehen erregende Ereignis, als Papst Johannes Paul II. 1986 die Vertreter der
Weltreligionen nach Assisi einlud und mit ihnen gemeinsam für den Weltfrieden
betete.
Ein wichtiger Grund dafür ist die Bedeutung und die Rolle der Religionen für den
Frieden und das Glück der Menschen. Leider zeigt sich an so vielen Stellen der
Welt, wie soziale und rassistische Probleme durch religiöse Unterschiede noch
verschärft werden. Wenn aber Menschen der verschiedenen Religionen einander mit
Hochachtung und Verständnis begegnen, können sie solchen Konflikten zuvorkommen
und unschätzbare Dienste für ein friedliches Zusammenleben leisten.
Grundbedingung für einen friedvollen Umgang der Religionen ist der gegenseitige
Respekt. Es geht darum, im Gespräch so objektiv wie möglich darzustellen, was
die jeweilige Religionsgemeinschaft über sich sagt und wie sie sich selbst sieht.
So erwarten Christen auch, dass sie so von anderen dargestellt werden. Es widerspricht
den Regeln der Fairness, immer nur die dunklen Seiten einer anderen Religion gegen
die guten Seiten der eigenen aufzurechnen. Hier kommt die sogenannte goldene Regel
zum Tragen: "Alles, was ihr von anderen erwartet, das tut auch ihnen!" (Mt 7,12).
Wichtig ist die Frage nach der religiösen Wahrheit einer anderen Religion. So
sehr Christen davon überzeugt sind, dass es auch in anderen Religionen Wege zum
Heil gibt, weil "Gott will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis
der Wahrheit gelangen" (1 Tim 2,4), so sehr sind sie jedoch auch davon überzeugt,
dass dieser allgemeine Heilswille Gottes in Jesus Christus und seiner Kirche seinen
eigenen, unüberbietbaren Höhepunkt gefunden hat.
Es war das große Anliegen des Konzils, dass die Völker in Frieden auf dem Weg
der jeweiligen religiösen Überzeugung, die sich in den Weltreligionen kundtut,
zueinander finden. Die Einzigartigkeit der Offenbarung durch Jesus Christus wird
damit nicht in Frage gestellt. Für Christen geht es darum, Jesu Botschaft klar
und überzeugend zur Sprache zu bringen, ohne Gewalt und Druck. Wer im eigenen
Glauben einen festen Stand hat, braucht sich vor dem Gespräch mit Andersdenkenden
nicht zu fürchten.
(Mit freundlicher Genehmigung der katholischen Bistumszeitungen übernommen.
Autor: Helmut Krug) |