Bund

Der Begriff "Bund" bezeichnet im jüdisch-christlichen Sprachgebrauch das spezielle Verhältnis zwischen Gott und Mensch(en). Dabei ist der Bund zwischen Gott und den Menschen, speziell dem Volk Israel, mehr als ein "Bündnis" oder ein "Pakt". So sehr dieser Bund durchaus auch formellen Charakter hat (es gibt einen Vertragsabschluß am Sinai, eine Bundesukunde, eine Besiegelung duch Eid, Schwur und Opfer, es gibt Regeln und Strafen bei Regelverstößen (Zehn Gebote, Beschneidung, Gesetzesbücher, Verhaltenskodizes), so sehr ist der Bund von seinem Charakter her eher Freundchaft, eher eheliche Gemeinschaft. Der Geist des Bundes ist nicht gegenseitiger Nutzen, nicht Macht und Gehorsam, sondem Vertrauen, Liebe, freiwillige gegenseitige Hingabe. Zur Kennzerichnung des Bundes gebrauchen die alttestamentlichen Propheten Bilder wie liebender Vater, treuer Ehemann, sorgender Hirt: Der Bund Gottes mit den Menschen ist eine Lebensgemeinschaft. Bund ist etwas Lebendiges, etwas, das sich entwickelt und von allen Partnern mit Leben gefüllt wird. Insofern gehört zum Bundesgedanken immer auch eine Perspektive, eine Verheißung. Ein Bund beruht immer auf Zweiseitigkeit: Der Erwählung eines Menschen durch Gott entspricht der Glaube und das Gottvertrauen auf Seiten des Menschen. Gottes Verheißung entspricht die Bereitschaft des Menschen, auf deren Erfüllung zu setzen und sie mit zu realisieren. Wenn Gott mit Menschen einen Bund schließt, dann nie zum Privatvergnügen dieser Menschen. Viehmehr ist der Bund ein "Instrument" mit dem Ziel, alle Menschen, die ganze Schöpfung einzubeziehen. Wie ein roter Faden zieht sich durch die verschiedenen Bundesschlüsse mit Abraham, Noah, Mose, David die Verheißung eines Messias, eines neuen Menschen, einer besseren Welt, der neuen, vollendeten Schöpfung.Ezechiel 36,24 ff: "Ich hole euch aus den Völkern heraus, ich sammle euch aus allen Ländern und bringe euch in euer Land. Ich gieße reines Wasser über euch, damit ihr rein werdet. Von all euren Unreinheiten und Götzen (Aberglauben) reinige ich euch. Ich schenke euch ein neues Herz und gebe euch einen neuen Geist. Ich nehme das Herz aus Stein aus eurer Brust und gebe euch ein Herz von Fleisch. Ich lege meinen Geist in euch und bewirke, daß ihr nach meinen Gesetzen lebt und meine Gebote achtet und erfüllt. Dann werdet ihr in dem Land wohnen, das ich euren Vätern gegeben habe. Ihr werdet mein Volk sein, und ich werde euer Gott sein."

 

Dann wird die Welt so aussehen, wie Gott sie sich in den Tagen der Schöpfung vorgestellt hat. Für die Christen war Jesus von Nazareth jener erhoffte und zugesagte Messias, der den neuen Geist brachte und den alten Bund so erfüllte. Der Neue Bund (Neues Testament, das Neue Isarel, die Kirche) darf daher nicht als Abgrenzung oder Konkurrenz zum Alten Bund Gottes mit Israel gesehen werden. Vielmehr versteht sich die Kirche als dessen Vollendung, wobei Vollendung bei aller Kontinuität gleichzeitig auch etwas qualitativ Neues ist. Das Alte Testament, die Glaubensurkunde des "Alten Israel" ist kontitutiver Bestandteil der Bibel; aber es ist zu sehen und zu lesen im Licht des "Neuen Testamentes", der Glaubensurkunde der Christen, des "Neuen Israel". Daher ist aber auch nachvollziehbar und verständlich, wenn Juden, für die Jesus nicht der erwartete Messias war und die folglich ihrer unverlierbaren Erwählung durch Gott entsprechend leben (und auch leiden) und die noch des verheißenen Messias harren, gerade diesen christlichen Anspruch als unerträgliche Anmaßung empfinden. Christen ihrerseits haben die jüdische Treue gegenüber ihrem Bundesverständnis als Verstocktheit und starre Uneinsichtigkeit mißdeutet.

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Kath. Pfarrgemeinde St. Petrus Canisius Hohnhorst/Bokeloh

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Stand: 25. Oktober 2001